Photo Sharing and Video Hosting at Photobucket
  Startseite
    Alltägliches
    China
    Chinesische Familie
    Chinesisches Wetter
    Chinesisches Essen
    Chinesische Frauen
    Chinesische Männer
    Chinesische Straßen
    Chinesisches Weihnachten
    Lustige Fakten
    Urlaube
    Lesson Plans
    Meine Kurzgeschichten
    angefangene Gedanken
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren

    etoil
    strokes-caro
    - mehr Freunde

Photo Sharing and Video Hosting at Photobucket



http://myblog.de/elektronenvolt

Gratis bloggen bei
myblog.de





Meine Kurzgeschichten

Sterne malen

Herzen sind eintönig. Und sie zeigen sofort, was man denkt. Sie sind durchschaubar. Sterne nicht. Außerdem sind diese schwieriger zu zeichnen. Und sie sind wunderschön anzusehen. Herzen gehen einem irgendwann auf die Nerven. Sie wirken nahezu kitschig. Sterne sind zackig, eckig und knallgelb.

„Darf ich zu dir vorkommen? Ich hab mein Buch nicht mit.“, fragt sie mich und setzte eine Unschuldsmine auf.
„Klar, kein Problem.“, ich sah nicht weiter von meiner Mathehausaufgabe auf, obgleich wir gerade Physik hatten. Um jedoch weiterhin den Unterricht zu verfolgen schlug ich hin und wieder mein Blatt um.
„Du hast Sterne gemalt?“
„Ja.“
Die Aufgabe an sich war schon nicht mehr zu erkennen. Denn zwischen all den Zahlen und physikalischen Formeln tanzten überall Sterne. Kleine, größere, unordentliche, besonders hübsche, spitze, stumpfere, schmale, breitere.
„Schau her...ich auch.“, sie schob ihre Hand beiseite und gab mir freie Sicht auf ihren einsamen Stern.
„Und was heißt das?“, fragte ich sie während ich ihren Seitenrand weiter musterte und in verzierten Buchstaben etwas Latein entziffern konnte. Allerdings bin ich dieser Sprache nicht mächtig.
Sie beugte sich zu mir und flüsterte in mein Ohr:
“Das heißt: Ich liebe einen Stern. Weißt du, ich nenn meinen Freund immer Sternchen.“
Der erste Gedanke, welcher mir sofort in den Sinn kam war: „Ich auch.“
Der nächste jedoch, war passender: „Ich nicht. Ich liebe keinen Stern. Nein, ich liebe mon étoil.“


4.7.07 22:00


Werbung


Igel

Igel

Ich hatte Angst vor dem Mond. Deswegen fuhr ich so schnell. Und ohne Licht. Denn das war groß und orange hinter mir. In all meiner Eile, oder war es Angst, stieß ich beinahe mit einem anderen Radfahrer zusammen. Aber dieses Seitenstechen vom schnellen Atmen ist vergessen. Genauso wie die Angst. Denn erstens, sitze ich vor seinem Haus und zweitens habe ich dich. Lass uns doch ein wenig plaudern. Ich meine, dich treffe ich schließlich nicht alle Tage. Und wärst du nicht vor mir noch schnell über die Straße geflüchtet, wären wir uns gar nicht begegnet. Obwohl ich noch zweifle, dass du überhaupt daran interessiert bist. Immerhin siehst du so aus, als würdest du jeden Moment weiter tippeln wollen, mich einfach hier sitzen lassen. Ja, ich warte nur auf ihn und du bist ein Lückenfüller, aber findest du das so schlimm, wenn ich mich deswegen mit dir unterhalte? Außerdem ist er noch beschäftigt. Durch sein offenes Dachfenster kann ich die Geräusche seines Computers hören. Ich denke, er wird erstaunt sein, wenn ich ihm erzähle, dass sein Kampf der Nationen bis zur Straße hörbar ist.
Das muss seltsam aussehen: Ein Mädchen sitzt am Straßenrand. Ganz allein. Und trotzdem redet sie. Und dass mitten in der Nacht. Ich glaube, ich würde mich bei diesem Anblick ängstigen.
Wie steht es mit dir und der Angst? Du hast vor mir Angst, das merke ich, aber dennoch sitzt du da und bewegst dich nicht vom Fleck. Als ich noch vor dir stand, schienst du mich nicht einmal bemerkt zu haben.

„Weißt du noch, als ich dich fragte, ob du mir nach einem Streit hinterher laufen würdest?“
„Ja.“
„Meinen Eltern ist diese Situation schon einmal passiert. Sie wissen zwar nicht mehr, warum oder worum sie sich stritten, doch plötzlich war mein Papa so sauer, dass er entschied zum Bus zu gehen. Hätte meine Oma meine Mama nicht überzeugt, wäre sie wahrscheinlich nicht hinterher gelaufen.
„Der Igel ist ein Zeichen.“
„Warum?“
„Erst, als ich hier ankam, mein Fahrrad anschloss und mich umdrehte, saß er vor mir und rührte sich nicht. Dann, urplötzlich, lief er davon. Und nun, jetzt, wo du neben mir sitzt, beobachten wir ihn beide und er geht ungestört seines Weges.“


Und dann ließt du uns eine Weile zu zweit sitzen. Ich danke dir sehr dafür und hoffe, bald auf ein erneutes Wiedersehen zu treffen. Obwohl, du scheinst nur in Situationen der Angst und Trauer meine, unsere Wege zu kreuzen. Bist du ein Schutzpatron?

November 2006

4.7.07 08:36


Hunger

„Krank sein hat auch eine positive Seite“ hat meine Oma mir mit entzündeter Bindehaut erklärt. „Man wird dünner“. Sie hat Recht. Ich werde immer dünner. Meine Haut wird immer dünner. Mein Geist wird immer dünner. Meine Lust ist wie Hunger bei einer Magersüchtigen. Er bleibt aus. Wird unterdrückt. Und wenn ich doch auf etwas Lust habe, würge ich etwas später alles wieder aus mir heraus. Leer sein ist das Ziel. Frei sein. Ich bin leer, um wieder gefüllt zu werden. Aber man erwartet von mir, meine Krankheit, die ich mir selbst zuführe, selbst zu heilen. Man erwartet, dass ich den Willen zum Genesen habe. Ja, ich besitze ihn. Aber ich möchte durch die Hilfe anderer gesund werden wollen. Durch dich.
Magersüchtige werden in eine Psychiatrie eingeliefert. Dort führt man dann Gespräche. Ich habe das alles nur gelesen. Aber was geschieht mit mir? Ich weiß, was mir fehlt. Aber selbst wenn ich es tausend Mal täglich wiederholen würde, eine Magersüchtige sieht wenigstens krank aus. Ich mag getrocknete Feigen. Aber ungeschwefelte trockene Aprikosen schmecken komisch. Rosinen sind zu klein.
Es ist verrückt, dich alle fünf Minuten anzurufen, obwohl du nicht da bist. Ich weiß das. Und mache es trotzdem. Du sollst mir helfen, wieder gesund zu werden wollen. Denn du bist es doch. Erst mit der Schokolade fängt die Schokoladensucht an. Ich brauche keinen Entzug. Ich bin einsam. Nicht süchtig. Siehst du den unterschied?
Millionen Dinge habe ich zu erledigen. Doch die Hälfte davon möchte ich, dass du es bist. Dass du mir das Alleinsein wegnimmst. Mit Worten geht das nicht. Auch nicht mit Geschenken. Auch nicht mit Taten. Auch nicht mit Tränen. Sei ein gewitzter Dieb.
Sonst kotz ich dich wieder an. Das Tuten im Telefonhörer ist wie Appetitzügler. Kann das eigentlich abführend wirken?
4.7.07 22:08


Realität

Der Flughafen war schrill. Weiß. Einsam. Sie schien die einzige überhaupt zu sein. Ob sie wohl schon die Farbe der sterilen Fliesen angenommen hatte? Nur die schwarzen, unbequemen Sitze gaben dem großen Vakuum etwas Kontrast. Das Neonlicht brach sich in ihren feuchten Augen. Sicher hatte sie schon rote Ränder. Nun war sie dort, wartete. Und er war da, weit weg, und wartete auch. Ob er weiß wie man wartet? Ob er wohl versteht wie viel Leere das Warten beinhalten kann? Sie glaubt, dass Warten gelernt zu haben. Denkt, dass diese Zeit nur eine Summe der vielen kleinen Wartezeiten auf ihn ist. All diese vielen kleinen Minuten und Sekunden ohne ihn, einfach addiert. Mehr ist das nicht. Und sie hat ja wohl wesentlich länger auf ihn gewartet, in ihr Leben zu treten, als das alles hier dauern wird. Es wird vergleichsweise kurz. Sie wird abgelenkt sein. Wird ihm schreiben. Mit ihm telefonieren. Ihm viele Kurzgeschichten mit ihren Eindrücken schreiben. Ihm abertausende Bilder schicken. Immer bei ihm sein.
Doch dann kommt dieser Realist und zeigt ihr sämtliche Risiken auf. Dass sie sich verändert und er möglicherweise auch. Dass sie sich auseinanderleben. Nicht mehr schreiben. Nicht mehr lieben. Das sei Realismus. Das müsse sie doch sehen. Der Realist möchte die Entscheidung nicht fällen. Sie hat es schon längst getan. Und fühlt sich mies.
Erneut rollen warme Gefühle über ihre Wange und ertrinken sie in Kummer, in Liebe. Normalerweise rief sie ihn in diesen Situationen immer an. Lauschte dem gleichmäßigem Tuten und hoffte, endlich seine Stimme zu hören. Außer Puste. Verschlafen. Ausgelaugt. Aber nie genervt. Stets dieses ja. Am Ende ging seine Stimme nach oben. Dann wartete er. Und sie plapperte los. Oder schluchzte immerfort ihre Probleme in sein Ohr. Oder wartete auf mehr Worte. Jetzt würden ihr seine Augen helfen. Vielleicht auch seine Lippen. Oder einfach seine Schulter zum Anlehnen? Nur noch einmal über seinen Rücken streicheln. Seinen Hals küssen. Seinen Atem einsaugen.
Sie hat kein Taschentuch zur Hand. Niemand scheint sie zu sehen. Wie sie da sitzt. Niemals hätte sie sich vorher so gehen lassen, in der Öffentlichkeit ihre Gefühle zu zeigen. Ihre Schwäche bekunden. Ihre Tränen glänzen lassen.
Ihre Schwester beteuerte einst, sie sei die einzige die ihn je richtig lieben könne. Ihr erscheint das wie ein Gesetz, welches niemand verletzen darf. Doch selbst wenn, gäbe es keine Strafe für den Verbrecher, sondern für sie, für ihn.
Durchsagen hallen durch ihre Welt. Gate 17. Ihre Lieblingszahl. Zwischen 16 und 18. Zwischen ihnen und ihm. Genau in der Mitte. Wir. Ich. Du. Einchecken. Losfliegen. Ankommen.
4.7.07 22:18


Erzählen

Feuer knistert im Kamin. Das beruhigt sie. Auch, wenn sie eigentlich weder aufgebracht noch aufgeregt ist. Sie erzählt. Erlebt. Ihr Leben ist die Erzählung. Das Erleben. Wie in einem Film die Rahmenhandlung kommt sie sich vor. Erzählt aus ihrer Jugend. Ihre Erlebnisse. Aus der Rückblende heraus.
Er hat sich noch nie darüber Gedanken gemacht. Darüber, wie er es seinen Kinder, seinen Enkeln später erzählen wird. Es, das Leben. Sein Leben. Nie. Denn er lebt einfach. Lässt es auf sich zukommen. Erlebt. Aber erzählt er auch? Nein, er ist kein Geschichtenerzähler.
Genau diesen Augenblick halte ich jetzt fest. Für immer. Dann berichte ich es denen, die es hören wollen. Später. Nicht jetzt. Möchte es jemand hören? Lesen? Erleben? Meine Erzählung? Ich bin die Erzählung. Ich lebe in Worten, in Sätzen, in Rhetorik. Ich kann Angst machen, Spannung erzeugen und bewegen. Ich kann dich und alle anderen bewegen. Bewegen.
Sie kann sich nicht bewegen. Möchte es auch nicht. Sie sitzt, genießt das Feuer. Es knistert. Die Uhr tickt. Ihre Uhr. Die mit dem langen, unruhigen Pendel, welches selbst viele Geschichten erzählen könnte. Es schweigt. Es ist die Ruhe.
Er ist eine der Hauptpersonen. Inspiriert sie zum Erzählen. Er schweigt. Sitzt nicht neben ihr. Er hört zu. Versteht. Er ist der Zuhörer. Was macht er ohne Erzählung? Was macht er ohne Erlebnisse? Lebt er? Ja.
Ich bin woanders. Nicht hier und nicht dort. Woanders. Da. Sie weiß es. Er nicht. Sie kennt mich. Er auch. Soweit. Bis hierhin. Dort.

„Kommt es dir nicht auch manchmal so vor, als würde man sein Leben im Rückblick erleben? So, als ob man ganz woanders sitzt und sein Leben überdenkt. Nur, sind wir jetzt dessen Schauspieler. Die Schauspieler des Rückblicks. Des eigenen Lebens?“
„Nein.“
„Hast du noch nie daran gedacht? Gar nicht?“
„Nein.“
„Hmm.“
„Wie kommst du darauf?“
„So genau weiß ich das nicht. Es irritiert mich nur, dass mein Leben manchmal einem Film gleicht. Mit vielen dramatischen Szenen, die ziemlich oft als Happy End gelöst wurden. Oder weniger einem Film und mehr einer Geschichte, einer Erzählung, die viel zu oft erzählt wurde und immer aufs Neue ausgeschmückt wird. Die Erinnerung wird mit jedem Erzählen erlebt. Und gerade, wenn wir uns jetzt unterhalten, wird gelebt. Jemand erzählt unsere Geschichte. Dein Leben. Mein Leben.“

Das Feuer ist kurz vor dem Erlöschen. Sie friert. Die Uhr tickt. Bleibt nicht stehen. Noch nicht. Erst dann, wenn sie die Geschichte von mir und ihm beendet hat. Wenn wir keine Schauspieler sondern selbst Erzähler sind.

 

Januar 2006 

4.7.07 08:31


Morgengedanken

Morgengedanken

Niemand versteht mich! So kommt es mir zumindest vor. Warum? Nur weil ich über Dinge nachdenke, die alltäglich sind? Weil es keinen interessiert, was ich über die Welt meine?
Egal, wieder sitze ich allein auf dem Doppelsitz im Bus. Hinter mir, vor mir, fröhliches Gelächter. Leute, vertieft in Gespräche und schweigende, aus dem Fenster starrende Personen. Zu letzteren würde ein Beobachter mich sicherlich auch zählen. Aber ich sehe mir die Natur an, die mir doch so bekannte Umgebung. Jeden Tag sehe ich dasselbe. Aber immer anders. Heute geht die Sonne in einem wunderschönen Magentarot über dem See auf, welcher ihre freundlichen, ruhigen Strahlen mit leichten Wellen zurückwirft. Was morgen kommt weiß ich nicht. Vielleicht ist der azurblaue Himmel morgen mit grauen, tristen Wolken verhangen. Ein Schwarm von Wildgänsen fliegt durch mein Bild. Ständig ändern sie ihre Formation. Nur ein Vogel fliegt allein, strikt den anderen hinterher. Doch dann gesellt sich ein zweiter zu ihm, umkreist ihn und scheint ihn zu mögen.
An der nächsten Haltestelle wird der leere Platz neben mir besetzt. Bis auf die Anfrage, ob sie sich setzen dürfe, schweigt sie. Genau wie ich. Ich lasse mich nicht abbringen. Weiter schaue ich in Gedanken versunken aus dem Fenster. Aber etwas ist anders als erst. Dieses Mädchen. Sie beobachtet mich! Ich weiß es. Ich spür es. Warum tut sie das? Es ist doch normal aus dem Fenster zu sehen. Ich drehe mich zu ihr um. Wider meines Erwarten ist sie weder überrascht noch erschreckt. Stattdessen blickt sie mir fest in die Augen. Was soll das? Ein Lächeln spielte um ihren Mund. Soll ich etwas sagen? Anstatt weiter darüber nachzudenken, drehe ich mich verwirrt wieder zum Fenster. Aber ich kann nicht einfach weiter so spielen, als wäre sie Luft. Das ist doch gemein. Obwohl, das hab ich bisher immer so gemacht. Mädchen hin oder her. Aber sie ist noch so jung, so unschuldig. Vielleicht erst acht oder neun.

„Du?“
Wieder unterbricht sie meine Gedanken. Und ohne Überlegen antworte ich:
„Äh...Ja? Was kann ich für dich tun?“
Sie schenkt mir abermals ein Lächeln, was mir im Unterbewusstsein ein seltsames Glücksgefühl beschert.
„Magst du die Sonne?“
„Ja. Warum? Wer mag sie nicht?“
Ich habe keine Idee, was ihre Frage bezwecken soll.
„Sie ist heute wunderschön.“
„Ja. Rot, wie ein Feuerball.“
„Brennt sie?“
„Ich weiß nicht. Vielleicht. Auf jeden Fall ist sie sehr heiß. Siehst du die Vögel?“
Und in diesem Moment, ohne dass ich es wissen könnte, fällt der anscheinend leblose Körper der einsamen Ente hinunter.
Mit aufgerissenen Augen starrt sie durch das Fenster. Dabei nickt sie. Aber so ruckartig. Ängstlich.
„Was ist mit dem Vogel geschehen?“
„Er wurde wahrscheinlich abgeschossen. Vielleicht war er krank.“
„Aber wenn ich krank bin, werde ich dann auch erschossen?“
„Nein. Warum sollte man dich erschießen?“
„Und warum erschießen die dann einen Vogel?“

 

März 2004 

4.7.07 08:30


Ein Schlückchen in Ehren

Ein Schlückchen in Ehren

Er hat Durst. Ein Wasser, bitte, bestellt er schnell. Hastig. Heute kein Bier?, fragt die Bedienung verwundert. Lächelnd. Er überhört die Frage und sieht stattdessen aus dem Fenster. Ein Bier, welch verlockender Gedanke. Er nimmt einen tiefen, kräftigen Schluck um diese Idee so schnell wie möglich zu ertränken. Er verschluckt sich. Hustet. Zu viel Kohlensäure?, die Kellnerin schmunzelt ihn an. Sie hat ja keine Ahnung. Was soll das? Kohlensäure. Das erinnert ihn an Sekt. Dieses prickelnde, sprudelnde Glücksgefühl einer Erinnerung überkommt ihn. Silvester. Vor zwei Jahren. Das war eine Zeit. Ja, da lernte er seine Traumfrau kennen. Aber die ist er seit drei Monaten schon wieder los. Oder war es eher? Er weiß es nicht. Überhaupt fällt ihm nichts vernünftiges ein. So geht es ihm in letzter Zeit öfters. Ein Schluck guter Rotwein könnte da Wunder bewirken. Nein. Wasser. Wasser. Er atmet hörbar tief ein bis er einen weiteren großen Schluck nimmt. Es schmeckt seltsam. So ungewohnt. Natürlich. Frisch. Es fröstelt ihn. Kalt. Ein unangenehmer eiskalter Schauer überkommt ihn. Die Wirtin beobachtet ihn über die Zapfhähne hinweg. Dann schaut sie weg. Kümmert sich um die anderen Bierdurstigen neben ihm. He, ein Bier für den trübseligen Herrn dadrüben, ruft einer von ihnen. Die Bedienung macht auch fix wie ihr geheißen und stellt ihm ein goldgelbes Getränk vor die Nase. Er schiebt es weg. Kein Bier. Kein Alkohol. Wieder nimmt er einen Schluck Wasser. Es schmeckt fahl. Ein kleines Gärgetränk. Nur einen klitzkleinen Schluck Bier. Er ruft sich den Geschmack des herben Hopfens in den Sinn. Nein. Er darf nicht. Aber nur einmal. Ein Schlückchen in Ehren kann keiner verwehren. Seine zittrige Hand langt langsam zum Glas. Es ist angenehm kühl. Die weiße Blume glänzt. Alle in der kleinen Gaststätte scheinen dieses Schauspiel zu verfolgen. Nein. Kein Bier. Kein Alkohol. Wasser. Aber das Glas ist leer. Ich möchte gerne bezahlen, fällt es ihm endlich ein. Aber Sie haben ihr Bier noch nicht ausgetrunken, stichelt die Bedienung ihn an. Er hat es noch nicht einmal angerührt. Ob es wohl anders schmeckt. Vielleicht. Ein bisschen probieren. Ja, ein minimales Kosten. Seine Lippen berühren den glatten Glasrand. Er kann die Blume riechen: Es riecht bitter und süß zugleich. Er holt tief Luft und schluckt. Der altbekannte und trotzdem neue Geschmack verteilt sich in seinem Mund. Es schmeckt wunderbar. Es wirkt so erfrischend. Belebend. Aber er sehnt sich nach dem typischen Alkoholgeschmack. Nichts. Die Wirtin lächelt liebevoll und zeigt ihm die Flasche: Alkoholfreies.

März 2004 

4.7.07 08:34


Gute-Nacht-Geschichte

„Papa, Papa. Bitte erzähl uns eine Geschichte!“
„Na, schön. Also, vor langer, langer Zeit lebte ein Mann, der hatte sieben Söhne“
„So viele?“
„Ja, genau. Und die sieben Kinder wollten eine Geschichte von ihm hören“
„Genau wie wir! Welche Geschichte erzählte er ihnen?“
„Da fing der Vater an: <Es war einmal ein Mann, der hatte sieben Söhne>“
„Aber das ist ja die gleiche Geschichte, die du uns jetzt erzählst! Hatten die damals alle sieben Söhne?“
„Unterbrecht mich doch nicht immer!Ihr wisst ja noch nicht einmal wie es weitergeht!“
„Entschuldigung, Papa. Bitte erzähl weiter!“
„Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, Es war einmal ein Mann, der hatte sieben Söhne und diese wollten eine Geschichte von ihrem Vater hören“
„Papa! Was soll das? Du wiederholst dich!“
„Mensch, habt ihr denn keine Geduld? Wartet es doch erst einmal ab!“
„Aber wehe es geht wieder so los:<Es war einmal ein Vater der hatte sieben Söhne...>“
„Tut es nicht.“
„Versprochen?“
„Versprochen. Gut, es war einmal eine Frau, die hatte vierzehn Töchter“
„PAPA! Das ist schon wieder das gleiche Spiel!“
„Nein, nein. Ihr müsst ein bisschen warten. Und diese vierzehn Töchter-„
„wollten eine Geschichte hören, da fing die Mutter an...! Lass es sein Papa!“
„Nein, gar nicht wahr! Ich war ja noch nicht fertig! Gebt mir noch eine Chance. Bitte.“
„Ja, ja.“
„Also schön. Und diese vierzehn Töchter waren schon zu alt für die langweiligen Geschichten ihrer Mutter. Statt ihr zuzuhören bettelten sie vergebens um die Erlaubnis doch endlich zur Disco zu gehen.“
„Oh, nee, Papa. Das liegt nicht in unserem Altersbereich!“
„Verdammt noch mal! Lasst mich doch einmal ausreden!“
„Okay“
„Aber sie waren noch viel zu jung für die Disco.“
„Wie alt waren die?“
„Ähm...wie wär es mit vierzehn?“
„Wie? Die waren alle vierzehn? Waren da Vierzehnlinge?“
„Äh..ja, ja, genau so war es!“
„Die arme Mutter!“
„Ist doch den vierzehn Töchtern egal gewesen. Also hörten sie nicht auf ihre Mama und gingen zur nächstbesten Disse“
„Zur Nächstbesten? Die sind aber schnell zufrieden zu stellen.“
„Okay, dann gingen sie so lange durch das Dorf – „
„DORF? Nö, da spiel ich nicht mit!“
„Gut, eine Kleinstadt. Sie gingen also durch eine Klein – „
„Nix da! Es war eine Großstadt, ja?“
„Sie gingen also durch eine Großstadt und konnten sich gar nicht so leicht entscheiden welchen Klub sie nehmen. So kam es, dass sie sich aufteilten und in vierzehn verschiedene Discos gingen. Und es kam wie es kommen musste“
„Sie nahmen Drogen“
„Nein“
„Sie fanden sich nicht mehr wieder“
„Nein“
„Sie waren so sturzbetrunken, dass sie bewusstlos wurden“
„Nein“
„Sie wurden sexuell missbraucht“
„Nein“
„Was passierte dann?“
„Sie trafen die sieben Söhne vom einen Vater und die sieben Söhne vom anderen Vater“
„Wie viele Väter hatten die denn?“
„Also, die vierzehn Töchter hatten einen, die sieben Söhne hatten einen und die anderen sieben Söhne hatten einen.“
„Aha“
„So, sie trafen sich und stellten erschrocken fest, dass sie alle von einer Mutter kamen!“
„Wie haben die das denn herausgefunden?“
„Ja....sie haben...es einfach geraten. Und hatten zufällig recht.“
„Ist ja doof! Was geschah dann?“
„Da ja jede Tochter einen Sohn hatte, entstanden also vierzehn Paare. Und die heirateten alle am 14.2.“
„Die wurden sich alle einig?“
„Ja“
„Der arme Standesamtbeamte!“
„War doch denen schnuppe. Und so lebten sie glücklich bis zu ihrem Lebensende. Und wenn sie eben noch nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute und feiern am Valentinstag ihren 14. Hochzeitstag“
„Was ist aus den zwei Vätern und der Mutter geworden?“
„Keine Ahnung. Die waren einfach weg.“
„Wenn du meinst.“
„So, und jetzt schlaft schön. Gute Nacht.“
„Gute Nacht, Papa.“
„Gute Nacht, Papa“
„Gute Nacht, Papa“
„Gute Nacht, Papa“
„Gute Nacht, Papa“
„Gute Nacht, Papa“
„Gute Nacht, Papa“
„Gute Nacht, Onkel“
„Gute Nacht, Onkel“
„Gute Nacht, Onkel“
„Gute Nacht, Onkel“
„Gute Nacht, Onkel“
„Gute Nacht, Onkel“
„Gute Nacht, Onkel“
„Gute Nacht, Opa“
„Gute Nacht, Opa“
„Gute Nacht, Opa“
„Gute Nacht, Opa“
...

Februar 2004 

4.7.07 08:32


Was wärt ihr bloß ohne uns?

Was wärt ihr bloß ohne uns?

Ihr habt ja keine Ahnung! Ihr verschwendet nie einen Gedanken an uns! Nie! Vielleicht nur wenn ihr euch mal vershrieben oder vertipot habt. Aber sonst nicht! Auch Buchstaben haben eine Seele! Jawohl! So sieht’s nämlich aus. Und auch Kommas und Punkte und Doppelpunkte und Semikolons und Klammern und Ausrufezeichen und Fragezeichen und Schrägstriche und Bindestriche und Apostrophe und Aktzente und Anführungszeichen und ... ach egal. Ihr wisst schon was ich meine.

Hier, seht einmal. Was wäre denn, wenn ich, das kleine, liebe, brave e, einfach mal weg wäre?
Dann wüsst*t ihr nicht m*hr was da in *in*m T*xt st*ht! Hah! Wi* würd*n dann *ur* Nam*n auss*h*n? Von wegen R*nat* oder St*ff*n. Was sagt ihr dazu? Aber ich bin ja nicht so gemein wie ihr.

Was sollte ich denn so ganz alleine in der Welt machen? Ohne meinen vielen Genossen wäre ich ja vollkommen sinnlos! Aber wenn wir alle weg wären. Alle! Was macht ihr Menschen dann? Denn mit Schreiben ist dann Schluss. Oder vergesst ihr uns, die lateinischen Buchstaben, einfach so? Verwendet ihr unsere kyrillischen Verwandten als Ersatz? Oder erfindet ihr aus heiterem Himmel ganz neue Gebilde zum Lesen? Oder telefoniert ihr nur noch den lieben langen Tag?

Wird dann in der Schule nur noch geredet? Und zum Lernen und Merken auf ein Diktiergerät gesprochen? Was wäre das Internet ohne uns? Nichts! Nur ein dummer, leerer, weißer Fleck! Mit Bildern. Was nützen euch die vielen Farben, wenn ihr doch nicht wisst worum es geht? Seid bloß froh, dass ihr uns habt!
Zeitungen wären gar nicht erfunden. Niemand wüsste was in der Welt vor sich ginge! Ihr braucht uns. Und dennoch missbraucht ihr uns!

Wenn ich da zum Beispiel an diese seltsamen Fügungen zwischen uns denke. Was da manchmal für Unwörter entstehen. Schrecklich! Was zum Beispiel ist denn ein Milchjieper? Diese Werbungssprache übertrifft doch alles! Allerdings noch schlimmer wird es ja, wenn so called Denglisch entsteht! Schon die Bezeichnung dieser „Sprache“ verängstigt mich. Warum ärgert ihr uns so? Habt ihr denn nichts Besseres zu tun als uns hilflose Zeichen zu quälen?

Früher, ja, das waren noch Zeiten! Und ich meine nicht nur vor hundert Jahren, nein, noch viel, viel eher. Damals konnte eben nicht jeder x-beliebige Mensch mit uns umgehen. Obwohl, das ist ja heute auch noch der Fall. Nein, im Ernst, da durfte nur hohen Tieren diese Kunst gelehrt werden. Aber wen interessiert das schon? Niemanden! Keinen! Und warum? Weil wir ja nur Schriftzeichen sind!

Aber wenn wir nie erfunden wären, dann würde es keine Bücher und andere Schriftstücke geben, dann wären Dichtergrößen wie Goethe, Schiller, Heine und so weiter nie bekannt geworden, dann wären nie Shakespeare Dramen entstanden, weil ja niemand den Text lernen konnte. Was wäre aus der Politik geworden, wenn Gesetze nur in mündlicher Form existieren würden? Ja, da seht ihr erst einmal, wie wichtig wir doch für euch Menschen sind!

Ihr benutzt uns tagtäglich. Nur für die kleinste Notiz benötigt ihr uns. Wir haben euch in unserer Gewalt. Und ihr denkt es sei anders herum. Ihr irrt euch. Nur weil es für euch selbstverständlich ist Buchstaben zu benutzen, heißt nicht es, dass wir euch untertan sind!

Aber passt auf. Eines Tages, und ich spür es ganz genau in meinem kleinen Böglein, da werden wir uns rächen. Und zwar zusammen mit unseren Brüdern und Schwestern, den Zahlen!

 

Januar 2004 

4.7.07 08:27





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung