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Erzählen

Feuer knistert im Kamin. Das beruhigt sie. Auch, wenn sie eigentlich weder aufgebracht noch aufgeregt ist. Sie erzählt. Erlebt. Ihr Leben ist die Erzählung. Das Erleben. Wie in einem Film die Rahmenhandlung kommt sie sich vor. Erzählt aus ihrer Jugend. Ihre Erlebnisse. Aus der Rückblende heraus.
Er hat sich noch nie darüber Gedanken gemacht. Darüber, wie er es seinen Kinder, seinen Enkeln später erzählen wird. Es, das Leben. Sein Leben. Nie. Denn er lebt einfach. Lässt es auf sich zukommen. Erlebt. Aber erzählt er auch? Nein, er ist kein Geschichtenerzähler.
Genau diesen Augenblick halte ich jetzt fest. Für immer. Dann berichte ich es denen, die es hören wollen. Später. Nicht jetzt. Möchte es jemand hören? Lesen? Erleben? Meine Erzählung? Ich bin die Erzählung. Ich lebe in Worten, in Sätzen, in Rhetorik. Ich kann Angst machen, Spannung erzeugen und bewegen. Ich kann dich und alle anderen bewegen. Bewegen.
Sie kann sich nicht bewegen. Möchte es auch nicht. Sie sitzt, genießt das Feuer. Es knistert. Die Uhr tickt. Ihre Uhr. Die mit dem langen, unruhigen Pendel, welches selbst viele Geschichten erzählen könnte. Es schweigt. Es ist die Ruhe.
Er ist eine der Hauptpersonen. Inspiriert sie zum Erzählen. Er schweigt. Sitzt nicht neben ihr. Er hört zu. Versteht. Er ist der Zuhörer. Was macht er ohne Erzählung? Was macht er ohne Erlebnisse? Lebt er? Ja.
Ich bin woanders. Nicht hier und nicht dort. Woanders. Da. Sie weiß es. Er nicht. Sie kennt mich. Er auch. Soweit. Bis hierhin. Dort.

„Kommt es dir nicht auch manchmal so vor, als würde man sein Leben im Rückblick erleben? So, als ob man ganz woanders sitzt und sein Leben überdenkt. Nur, sind wir jetzt dessen Schauspieler. Die Schauspieler des Rückblicks. Des eigenen Lebens?“
„Nein.“
„Hast du noch nie daran gedacht? Gar nicht?“
„Nein.“
„Hmm.“
„Wie kommst du darauf?“
„So genau weiß ich das nicht. Es irritiert mich nur, dass mein Leben manchmal einem Film gleicht. Mit vielen dramatischen Szenen, die ziemlich oft als Happy End gelöst wurden. Oder weniger einem Film und mehr einer Geschichte, einer Erzählung, die viel zu oft erzählt wurde und immer aufs Neue ausgeschmückt wird. Die Erinnerung wird mit jedem Erzählen erlebt. Und gerade, wenn wir uns jetzt unterhalten, wird gelebt. Jemand erzählt unsere Geschichte. Dein Leben. Mein Leben.“

Das Feuer ist kurz vor dem Erlöschen. Sie friert. Die Uhr tickt. Bleibt nicht stehen. Noch nicht. Erst dann, wenn sie die Geschichte von mir und ihm beendet hat. Wenn wir keine Schauspieler sondern selbst Erzähler sind.

 

Januar 2006 

4.7.07 08:31
 


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